Go West, zum Zweiten – Auf dem Havellandradweg von Spandau nach Nauen

 

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volle Distanz: 45.94 km
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Wie im Beitrag „Go West“ schon erwähnt, geht der Havellandradweg über 130 km von Berlin bis nach Havelberg. Nachdem ich neulich von Nauen nach Rathenow unterwegs war, stand heute der Anfang des Radweges von Spandau nach Nauen auf dem Plan. Also wieder Richtung Westen.  Go West, zum Zweiten!

Logo des Havellandradwegs

Dieser gutgelaunte rote „Brandenburger Adler“ wird mich auch auf dieser Etappe von etwa ca. 46 Kilometern begleiten. Und da diese Etappe ja eigentlich den Beginn des Havellandradweges darstellt, habe ich also erstmal den Startpunkt gesucht. Quasi den Kilometer Null. Und die Null muß man wörtlich nehmen. Da ist nämlich „Null“. Kein Startpunkt. Nichts, Nada. Der erste Hinweis mit dem Radweglogo findet man unter der Bahnbrücke Klosterstraße am Bahnhof Spandau. Mit einem Abbiegepfeil nach links. Danach gibts den nächsten generellen Radwegweiser an der Bushaltestelle gegenüber dem Bahnhof. Allerdings auch schon mit den Hinweisen auf die Knotenpunktwegweisung Havelland. Auch der rote Adler ist zu sehen. Aber kein: „Hier beginnt der Havellandradweg.“ Auch eine Hinweistafel mit dem Radwegverlauf und den zu erwartenden Sehenswürdigkeiten suche ich hier vergebens. Da mir sowas ähnliches schon mit dem „Radweg Berlin-Usedom“ passiert ist, entschließe ich mich spontan, das „Projekt: Kilometer Null“ ins Leben zu rufen. Doch das ist eine andere Geschichte.

Los gehts jetzt also am Bahnhof. Ein Stückchen die Galenstraße lang und dann kurz vor dem Hohenzollernring links rein in den Park. Und dann immer den Spekte-Grünzug lang: Spektewiesen, Großer Spektesee, Spektelake. Nach der Überquerung einer kleinen Brücke geht es rechts ab auf den „Berliner Mauerweg“, der jetzt auch die Wegweisung übernimmt. Aber Achtung: Den Abzweig nach rechts auf der Pestalozziestr. in der Gartenstadt Falkenhöh nicht verpassen. Und ja, Mauerweg ist richtig. Da der Radweg jetzt genau auf dem ehemaligen Grenzstreifen läuft, fühlt sich anscheinend keiner mehr zuständig, für die Wegweisung als Havellandradweg. Macht aber nichts. Verfahren kann man sich im Moment sowieso nicht. Auf leicht welligem Profil geht es jetzt durch den Wald. Links der Stadtforst Falkenhagen, rechts der Spandauer Forst. Irgendwann passiert man dann den Eiskeller an seiner rechten Flanke und fährt den Eiskellerweg bis zur Schönwalder Allee. Hier befindet sich der Knotenpunkt Nr. 1 der Knotenpunktwegweisung Havelland.

Nach ausgiebigem Studium des Knotenpunktwegweisers geht es weiter durch Schönwalde-Glien. Und irgendwie hab ich dann doch abgeschnarcht und den richtigen Weg verpasst. Ich komme an eine T-Mündung. Rechts oder Links, das ist hier die Frage. Leider eine Frage, auf die ich so schnell keine Antwort finde. Hinweisschilder? Fehlanzeige. Karte? Mist, habe heute keine dabei. Ich dachte das wird schon nicht so schwierig sein heute. Ist ja alles gut ausgeschildert und nicht wirklich in der Pampa. Halt, da ist doch ein Hinweisschild. Nach Nauen links lang. Zumindest auf der Landstraße. Aber das erscheint mir vom Gefühl her nicht richtig. Also bleibt wieder nur, aufs Navi zu starren. Aber irgendwie bekomme ich die reale Situation, die Karte des Knotenpunktwegweisers, soweit ich mich noch daran erinnern kann, das Bild auf dem Navi und die Richtung, in die ich eigentlich will, nicht so richtig unter einen Hut. Bis ich auf die Idee komme, mich mal um 180° zu drehen. Da stellt sich dann auch der Hauch einer Ahnung ein. Die wird auch sofort umgesetzt. Ich entscheide mich rechts lang zu fahren. Und, Yes! Da ist er, ein Knotenpunkt. Nicht der, den ich erwartet habe, aber immerhin vermute ich jetzt, wo ich hin muß. Nach ein paar Minuten stehe ich endlich am richtigen Knotenpunkt.

Und weiss wieder nicht weiter. Dieser Wegweiser hat nämlich keine Karte und die Hinweisschilder helfen mir nicht wirklich weiter. Vom roten Adler weit und breit keine Spur. Also wieder in den Gefühlsmodus schalten und nach Schönwalde-Dorf reinrollen. An der Dorfkirche ist ein Kreisverkehr. Und schon nach wenigen Metern sagt mir ein kleines Schild, auf dem einem Fahrrad abgebildet ist, dass der Radweg nach rechts geht. Wieder zurück. Die wollen mich wohl vergackeiern. Das ist wirklich nicht mein bester Tag heute. Ach, sch… drauf. Ich vertraue weiter meinem Gefühl und umfahre die Kirche, und dann quasi wieder geradeaus. Irgendwo werde ich schon rauskommen. Auf beiden Seiten der Strasse befinden sich jetzt Reiterhöfe. Hab schon gehört, dass dies hier Pferdeland sein soll. Hundert Meter bevor ich Bahngleise erreiche, zweigt links eine ausgewiesene Fahrradstraße ab. Das kann nur heißen, ich bin auf dem richtigen Weg. Ich überquere jetzt die Gleise und fahre auf dem Sommerweg an der Wansdorfer Unterheide lang. An einem kunstvoll gestaltetem Hochsitz macht der Weg einen scharfen Knick nach rechts. In der Ferne sehe ich schon ein Dorf. Das kann nur Wansdorf sein. Und richtig. Der Weg erreicht die Hauptstrasse an einem Knotenpunktwegweiser mit Karte! und Rastplatz. Den nutze ich auch ausgibig für eine kleinen Snack und eine umfassende Orientierung. Ab hier gibt es nämlich wieder den roten Adler.

Ab Wansdorf führt der Havellandweg Richtung Westen auf dem Dörferkranzweg lang. Dieser umrundet den Krämer Forst unter Einbeziehung der Dorfkerne. Richtung Westen sind die nächsten Dörfer Pausin, Perwenitz, Eichholz und Paaren im Glien. Dort kehre ich im Stägehaus (Cafe und Museum) ein und gönne mir eine Berliner Weisse mit Waldmeistergeschmack. Die nächsten Dörfer sind dann Grünefeld und Börnicke. In Börnicke verläßt der Havellandweg den Dörferkranz und biegt nach links ab. Der Radweg führt nun schnurgerade neben der Landstrasse nach Nauen. Auf der rechten Seite reiht sich ein riesiges Maisfeld an das nächste. Die Hitze lässt die Luft vor mir auf dem Weg flimmern. Irgendwie werde ich so richtig dösig dabei. Es würde mich jetzt nicht wundern, wenn auf einmal Joe DiMaggio mit einigen anderen Spielern aus dem Feld tritt und mich auffordert, ein paar Bälle mit ihm zu werfen. Oder es springt urplötzlich ein Junge mit rotem Lockenkopf, blauer Latzhose und Strohhut aus dem Maisfeld, um mich zur Vogelscheuche zu führen. Oh Mann, aufwachen. Gerade noch rechtzeitig. Ich fahre in Nauen ein und erreiche am Bahnhof den Startpunkt für die zweite Etappe, die ja eigentlich die Erste war.

 Freitag, 19.08.2016

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