5. Tag: Lietzow- Sassnitz – Königsstuhl – Sassnitz – Lietzow

5. Tag:   Lietzow- Sassnitz – Königsstuhl – Sassnitz – Lietzow

volle Distanz: 61.92 km
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Heute steht etwas auf dem Programm, worauf ich mich schon in Berlin bei der Planung gefreut habe. Ein Besuch der Kreidefelsen. Deshalb lasse ich das Fahrrad heute mal stehen, und fahre mit der Bahn nach Sassnitz. Dort nehme ich den Bus bis direkt zum Nationalparkzentrum Königsstuhl. Nachdem ich mich eine Stunde lang ausgiebig über den Nationalpark Jasmund informiert habe, geht es nun raus in den Außenbereich und vor zur Aussichtsplattform auf dem Königsstuhl, der zur „Großen Stubbenkammer“ gehört. Von dort hat man eine tolle Aussicht auf die benachbarten Felsen.

links neben dem Königsstuhl

links neben dem Königsstuhl

 

rechts neben dem Königsstuhl

rechts neben dem Königsstuhl

 

Baumgruppe

Baumgruppe

Glücklicherweise kommen die Touristen- und Ausflugsbusse erst jetzt, so dass ich gut gebildet flüchten kann.

Was muss man noch gesehen haben? Die Viktoriasicht; und eine Treppe zum Strand soll es auch geben. Der Weg dorthin gehört schon zum Hochuferweg Jasmund, der in der einen Karte auch als Ostseeküstenwanderweg, in einer anderen Karte wiederum als E10 bezeichnet wird. Sehr verwirrend. Auf die Bezeichnung des Weges vor Ort habe ich nicht geachtet, weil da später eher die Markierung im Vordergrund stand. Und dann stehe ich vor der Treppe.

Treppe zum Strand

Treppe zum Strand

Über 400 Stufen überbrücken die 110 Höhenmeter zum Strand. Ich habe die Befürchtung, das der Rückweg nicht ganz so leichtfüßig vonstatten geht. An einigen umgestürzten Bäumen kann man ganz klar auf den Untergrund schließen.

Kreidewurzel

Kreidewurzel

Unten angekommen, sieht man auf den ersten Blick, wie die Erosion an den Kreidefelsen nagt.

Die Tage der, schon von der Aussichtsplattform gesehenen Baumgruppe im Hintergrund dürften wohl auch schon gezählt sein. Bald werden die Herbst- und Frühjahrsstürme ihr Werk vollendet haben, und die kleine Landspitze in die Ostsee gespült sein.

Erosionsspuren

Erosionsspuren

Baumgruppe

Baumgruppe

Das das Weiße wirklich Kreide ist, kann ich an meinen Händen sehen. Ich habe mal ein paar Krümel genommen und zerrieben. Es ist tatsächlich Kreide. Allerdings nicht so trocken wie in der Schule, sondern schön feucht und klietschig. Daraus werden dann die lustigen Rügener Kreidemännchen hergestellt.

Ansonsten findet man am Strand jede Menge Strandgut in Form von angeschwemmten oder abgestützten Bäumen. Und auch hier laufen die Leute mit tief gebeugtem Körper, den Blick suchend auf den Boden gerichtet. Unter die Steine im Kieselsaum haben sich auch viele Feuersteine gemischt, die hier aus den Felsen gewaschen werden.

Strandabschnitt

Strandabschnitt

Als sich der Strand langsam wieder mit Menschen füllt, ist es für mich an der Zeit den Aufstieg in Angriff zu nehmen. Es wird die erwartete Schinderei. Obwohl Treppen steigen zu meinem beruflichen Alltag gehört, brennen mir die Oberschenkel ganz schön. Ich ergatter am Ende/Anfang der Treppe gerade noch so einen Platz auf einer grob hingezimmerten Bank. Hier kann ich erstmal ausschnaufen, bevor ich mich dann zur Viktoriasicht begebe. Auf dem Stückchen dorthin merke ich, dass mir das Laufen eigentlich Spaß macht, und ich den Höhenweg bis nach Sassnitz weiterlaufen will.

Doch zuerst einen Blick riskieren. Die Viktoriasicht ist eigentlich nur ein kleiner Aussichtskäfig. Mehr als 2 Leute passen da nicht rauf. Und der Käfig ist besetzt. Glücklicherweise bleiben die beiden Käfigbesetzer nicht lange (Ich denke noch: Ihr kennt das Gesetzt … zwei gehen rein … einer kommt raus. Ich bin dann aber doch froh, das die beiden in schöner Eintracht den Käfig verlassen).

Viktoriasicht

Viktoriasicht

In voller Erwartung betrete ich den Käfig. Und jetzt weiß ich, warum meine beiden Vorgänger nur kurze Zeit vorne waren. Der Blick rüber zum Königsstuhl ist zwar ganz nett, aber irgendwie hatte ich mir nach der Lektüre der Reiseführer mehr erwartet. Der Blick nach rechts ist noch unspektakulärer. Am Interessantesten ist der Blick nach unten.

Blick nach unten

Blick nach unten

Also blockiere auch ich den Aussichtskäfig nicht so lange. Ein Teil des Nationalparks Jasmund gehört zum Unesco-Weltnaturerbe „Alte Buchenwälder Deutschlands“. Hier ist es wunderbar ruhig. Nur ab und zu begegnet man entgegenkommenden Wanderern. Irgendwo in Höhe „Kolicker Ort“ mache ich auf einem umgestürzten Baum am Wegesrand eine kleine Rast. Bald darauf wird der „Kolicker Bach“ überquert.

Kolicker Bach

Kolicker Bach

Da solche Brückenkonstruktionen und Stege jetzt häufiger vorkommen, bin ich froh, dass ich heute ohne Fahrrad unterwegs bin. Jetzt kommt man auch wieder öfter ans Steilufer. Man hat nach jeder Biegung einen anderen Ausblick auf die Kreideküste. Teilweise ist man recht nah an der Abbruchkante, so dass es einem schon mal mulmig werden kann. Die richtig abbruchgefährdeten Stellen sind aber abgesperrt. Dort ist das Betreten verboten, was aber anscheinend viele Leute nicht interessiert. Denn man kann an den vielen Fußspuren und den frischen Trampelpfaden erkennen, das hier reger Publikumsverkehr herrscht. Oh, ich könnte mich in Rage reden.

Ich für meine Teil benutze nur die freigegebenen Stellen. Auch von dort hat man eine fantastische Sicht, wie der Blick auf das Kieler Ufer beweist.

Kieler Ufer

Kieler Ufer

Unten am Strand kann man Riesenmikado spielen. Bei wem es zuerst wackelt, hat verloren.

Riesenmikado

Riesenmikado

Die Stubnitz, wie das ganze „Kreidegebirge“ hier auf dem Jasmund heißt, wird von zahlreichen Bächen durchzogen und entwässert. Und da der Kreideuntergrund sehr erosionsfreudig ist, schneiden die Bäche tiefe Furchen in die Landschaft. Die Bachtäler werden dann wie schon beim „Kolicker Bach“ mit teils ziemlich großen Holzwegkonstrukten überquert oder begleitet. Eine der größten Konstruktionen ist am Zusammenfluss von „Brisnitzer Bach“ und „Kieler Bach“ zu bestaunen.

Holzwegkonstrukt

Holzwegkonstrukt

Zusammenfluss

Zusammenfluss

Zu meinem Entsetzen stellt sich eine gewisse Abstumpfung ein. Irgendwann sehen alle Kreidefelsen gleich aus und ich schaue meist nur mal kurz hin. Erst als ich den „Lenzer Bach“ überquert habe, gibt es mal wieder eine lohnende Aussicht.

Wissower Ufer

Wissower Ufer

Ein Hinweisschild, eindeutig an Kinder gerichtet, klärt mich auf, dass ich mich auf dem „Hengst“ befinde, einer der ältesten germanischen Wallanlage in Norddeutschland.

Meine Karte klärt mich auf, dass ich die „Ernst-Moritz-Arndt-Sicht“ und die berühmten „Wissower Klinken“ verpasst habe. Da habe ich mich ja schön einlullen lassen.

Egal, ich laufe weiter, an der „Piratenschlucht“ vorbei und erreiche die Ausläufer von Sassnitz. Ich spaziere jetzt an der Strandpromenade entlang, vorbei am Stadthafen und wechsle über eine etwas außergewöhnliche Fußgängerbrücke die Etage zurück zum Bahnhof.

Fußgängerbrücke

Fußgängerbrücke

Als ich dann abgekämpft, aber durchaus zufrieden im Zug sitze und den Tag Revue passieren lasse, nehme ich mir vor, in Zukunft vielleicht etwas mehr ohne Fahrrad zu machen. Davon abgesehen, dass das Rad da oben in den Kreidefelsen nur Ballast gewesen wäre, und „Wandern“ irgendwie auch Spaß macht, hätte ich bei Fahrradgeschwindigkeit viele Dinge übersehen.

Ich lasse den Abend gemütlich im Platzrestaurant ausklingen. Das Dunkle ist zwar nicht von Störtebecker, ist aber trotzdem lecker.

Gute Nacht.

 4. Tag:          Rügen – eine Rundreise in drei Akten          6. Tag

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