Die Eberswalder Gabel

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Die „Eberswalder Gabel“ besteht aus drei Touren, die jeweils den Zinken einer Gabel darstellen. Der Gabelstiel ist die Regionalbahnstrecke Berlin – Eberswalde, die bei allen Touren gleich ist. Die Querstrebe, von der die Zinken abgehen, bildet der Finowkanal.

Durchgeführt habe ich die Touren an drei aufeinanderfolgenden Wochenenden im Spätsommer 2013 bei überwiegend sonnigem und warmen Wetter. Aber obwohl die Touren alle in Eberswalde starteten, ist der Charakter der Touren total unterschiedlich. Die Tour nach Joachimsthal führt überwiegend durch die waldige Schorfheide. Die Tour nach Angermünde ist geprägt durch landwirtschaftliche Nutzung. Und die Tour nach Schwedt wird durch den Nationalpark Unteres Odertal mit seinen Flußauen und Poldern bestimmt.

 

Linker Zinken (Galerie):   Eberswalde – Finowfurt – Marienwerder – Eichhorst – Joachimsthal   (ca. 41 km)

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Mittlerer Zinken (Galerie):   Eberswalde – Niederfinow – Liepe – Brodowin – Parstein – Angermünde   (ca. 43 km)

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Rechter Zinken (Galerie):   Eberswalde – Niederfinow – Liepe – Branitz – Oderberg – Hohensaaten – Schwedt   (ca. 66 km)

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Durch die Große Grabenniederung

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volle Distanz: 50.16 km
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Es war so um die Jahrtausenswende herum. Da bekam ich ein kleines Büchlein in die Hand. Den Wander- und Naturführer „Naturpark Westhavelland“ empfohlen vom NABU. Ungefähr zur selben Zeit hatte ich mir ein neues Fahrrad zulegen müssen. Da lag also nichts näher, als mein neues Bike bei einer Tour auszuprobieren. Eine Tour aus dem Büchlein interessierte mich besonders. „Gänserufe über der Großen Grabenniederung“. Das klang spannend, und ich bin damals voll auf meine Kosten gekommen. Letztendliche hatte ich die Tour dann in den verschiedensten Variationen drei mal gemacht.

Da ich letztens ja gleich um die Ecke am Hohennauener See war, dachte ich mir, ich schau mal nach, was sich so in 15 Jahren geändert hat. Also am Samstag ab zum Hauptbahnhof. Natürlich hab ich wie immer getrödelt (nicht beim Fahrradfahren) und kam gerade rechtzeitig an, um den RE4 nach Rathenow um 10:58 Uhr erwischen zu können. Schnell noch auf dem gelben Plakat nachschauen, auf welchem Gleis er denn diesmal abfährt. Aha Gleis 8 mal wieder. Also mit dem Fahrrad verbotenerweise die Rolltreppe runter. Wenn man den Aufzug benutzen will, darf man nicht dringend einen Zug erwischen wollen. Jetzt nur noch hoffen, dass die Schlange am Fahrkartenautomaten nicht zu lang ist und selbiger auch funktioniert und vor allem meinen 5er akzeptiert und nicht nur damit rumspielt, indem er ihn immer wieder nur durchzieht. Aber alles klar. Keiner da (Warum nicht? Funktioniert er etwa nicht?). Aber wieder Glück gehabt. Der Automat hat glänzende Laune und pariert aufs Wort.

Irgendjemand hat mal behauptet, alles hat seinen Preis. Und was soll ich sagen, er hatte recht. Bei der Ansage, die dann durch die Halle halt, rutscht meine Laune schlagartig in den Keller. Der RE4 hat ca. 15 Minuten Verspätung. Und das bei der ODEG? Bei der Begründung, die dann nachgeschoben wurde, fällt es mir nicht leicht, mich nicht am allgegenwärtigen DB-Bashing zu beteiligen. Wegen eines technischen Defektes blockiert ein anderer Zug alles, was nach Norden oder Westen will. Die Verspätung wird verlängert auf 20 min, 25 min, 20 min. Ja was ist das. Es scheint also weiterzugehen.  Allerdings auf Gleis 7. Macht nix. Selber Bahnsteig. Andere hatten nicht so viel Glück. Der RE5 nach Rostock hatte mittlerweile schon über 60 min Verspätung.

Wegweiser in Hohennauen

Wegweiser in Hohennauen

Aber letztendlich bin ich in Rathenow nur knapp 10 min später angekommen. Diesmal nehme ich aber nicht den Weg nach Semlin, sondern den, die B102 begleitenden Radweg direkt nach Hohennauen. Gleich hinter der Kirche steht ein liebevoll gestalteter Wegweiser. Gleich danach muß ich Richtung Parey links abbiegen. Ich befinde mich jetzt auf dem „Storchenrundweg“. Noch in Sichtweite der Kreuzung huscht etwas unter der Sonne durch und verursacht eine wandernden Schatten. Das kann nur ein großer Vogel sein. Direkt über mir zieht ein Roter Milan ganz seelenruhig seine Kreise knapp über den Dächern. Nachdem ich ein paar hundert Meter weiter, gleich nach dem Ortsausgang, einen Schwarzen Milan richtig gut beobachten und die Unterschiede studieren konnte, war mir klar: Heute ist ein guter Tag für Greifvögel (und für mich).

Auf der linken Seit schlängelt sich die Havel ihrer Vereinigung mit der Elbe hin. Sie wird dem Weg bis nach Gülpe nicht mehr von der Seite weichen. Leider kommt man ihr nur selten so nah, wie beim Abzweig nach Spaatz. Dort befindet sich eine Naturbadestelle und ich bin froh ein schattiges Plätzchen für einen schnellen Snack gefunden zu haben. Außerdem muß ich mein Base-Cap rauskramen. Die Sonne brutzelt doch ganz schön vom Himmel. Hier macht auch der Storchenrundweg seinem Namen alle Ehre. Überall sieht man die schwarz-weißen Gesellen durch die Gegend staken. Kein Wunder, hier stehen auch überall Nisthilfen rum. Außerdem erleichtern die Mäharbeiten die Futtersuche.
Jetzt sehe ich auf der linken Seite ein Wanderhinweisschild „Schleusenweg“. Klingt interessant. Nach kurzem Zaudern und Kartenstudium, entschließe ich mich , den Umweg zu wagen und mir die Schleuse mal anzuschauen. Kaum 100 Meter in das etwas tiefer liegende Gebiet reingerollert, werde ich für meinen Wagemut belohnt. Direkt über mir kreist jetzt nicht allzu hoch ein Fischadler und läßt sich von mir nicht stören. Ein Stückchen weiter kann ich mal wieder ein typisches Phänomen beobachten. Auf der linken Seite sitzt ein Bussard auf einem hohen Pfahl. Solange ich mich bewege, scheint alles in Ordnung zu sein. Wenn ich aber stehen bleibe, fliegt er sofort weg.
Unten an der Schleuse angekommen, ist die Enttäuschung groß. Alles eingezäunt. Keine Möglichkeit die Schleuse einzusehen. Na dann eben nicht. Ich fahre weiter auf dem Schleusenweg Richtung Parey. Auf der rechten Seit befindet sich ein Wald und die Landschaft nimmt jetzt schon fast heideartige Züge an.

So sollten Raine aussehen

So sollten Raine aussehen

Gleich ist der Tisch gedeckt

Gleich ist der Tisch gedeckt

Schließlich erreiche ich Parey. Ein Blick auf die Karte verrät mir, dass ich immer gerade aus direkt an der Kirche vorbeifahren muß. Ich lasse die Kirche aber Kirche sein, um die dort gerade stattfindende Hochzeit nicht zu stören, und gelange auf einen netten Weg durch die Felder. Dort hoffen ein paar Störche auf einen reich gedeckten Tisch. Am Abzweig Gülpe treffe ich eine lustige Fahrradtruppe aus Sachsen. Sie erklären mir gut gelaunt, dass sie seit Rhinow auf der Suche nach etwas Essbaren sind und die in Gülpe ausgeschilderte Gaststätte wohl nicht mehr existiert. Als sie mich dann fragen, ob den in Parey ein Restaurant zu finden sei, liegt das Amusement ganz auf meiner Seite. Die nächste Einkehrmöglichkeit ist wohl erst in Hohennauen.
Der Weg nach Gülpe führt jetzt einsam am Deich der Havel entlang. Hier sehe ich auch ein paar Seeadler. Und nachdem ich unterwegs immer mal wieder einzelne Falken gesehen habe, sieht meine Bilanz ganz ansehnlich aus:

  • Seeadler
  • Fischadler
  • Roter Milan
  • Schwarzer Milan
  • Bussard
  • diverse Falkenarten*

*Die Art kann ich nicht genau bestimmen, denn bei Falken kenn ich mich nicht so aus.

Endlich Schatten

Endlich Schatten

open spaces

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Als ich dann in Gülpe ankomme, sehe ich zwar die Hinweise auf die Gaststätte, aber ich verlasse mich auf die Aussage, dass es die nicht mehr gibt. Darum rolle ich nun immer am Gülper See lang nach Prietzen. Der See ist wie leergefegt. Die Wintergäste sind natürlich schon lange weg, die Enten sind nach Aussage eines Vogelfreundes wohl in der Mauser und können im Moment gar nicht fliegen und der Rest hält sich sonstwie irgendwie bedeckt. Ich kann mich erinnern, dass es dort irgendwo einen Beobachtungsturm geben muß. Als ich dann endlich dort ankomme, ist er belegt. Aber warten lohnt sich heute nicht. Es ist ja eh nichts da. Ein Stückchen weiter steht eine alte Bockwindmühle. Früher wurde die Mühle von Wissenschaftlern und Ornithologen genutzt. Heute sieht das ganze Areal reichlich verwahrlost und ungepflegt aus. Für eine kleine Pause reicht es dann doch noch. Aber nicht ohne Ameisenattacke. Als ich wieder unterwegs bin, habe ich noch mindestens 10 Minuten zu tun ,mich von meinen ungebetenen Gästen zu befreien. Das ist wie Hobos vom Zug schmeissen.

Bockwindmuehle am Gülper See

Bockwindmuehle am Gülper See

Da der Nachmittag in Riesenschritten vorwärts schreitet, fahre ich ab Prietzen nicht weiter nach Rhinow, sondern biege nach rechts wieder in  die  Große Grabenniederung hinein. Früher fuhr hier noch die Bahn mit einer Ferkeltaxe über Rhinow nach Rathenow. Die Strecke ist aber natürlich schon seit etlichen Jahren stillgelegt. Wie kann es auch anders sein. Über Wolsier gehts eine kleine Landstraße nach Spaatz mit seiner netten kleinen Feldsteinkirche. Dort entdecke ich endlich auch mal wieder eine Sitzgelegenheit zum Luftholen. Da auch hier das Territorium von Ameisen verteidigt wird, dauert die Pause nicht allzu lange und ich fahre die immer schmaler werdende Straße Richtung Havel und Hohennauen. Dei Strasse wird zu einem recht angenehm zu fahrenden Radweg. Auf einmal hört der gute Weg auf und ich sehe garadezu vor mir eine Sperre. Aber wie immer ist in so einem Fall nichts ausgeschildert. Nach rechts geht aber ein gut ausgebauter Weg weiter. Aus Mangel an Alternativen geht es halt da lang. Das unbestimmte Gefühl, dass hier was nicht stimmt, bleibt aber.

Nur mal kurz ausruhen

Nur mal kurz ausruhen

Spaatzer Kirche

Spaatzer Kirche

Durch Zufall werfe ich mal einen Blick über meine Schulter zurück, und bekomme einen riesigen Schrecken. Der Himmel rechts hinter mir ist schwarz. Also anhalten und raten, in welche Richtung die Gewitterwolken wohl ziehen. Theoretisch müßten sie nördlich an mir vorbeiziehen. Aber was wenn nicht? Shit, ich bin hier mitten in der Pampa. Fahre ich wieder zurück nach Spaatz, oder riskiere ich die Weiterfahrt? Ich gehe das Risiko ein, und entscheide mich für die Flucht nach vorne. Bei jetzt doch leicht erhöhtem Tempo gehen mir so einige Gedanken durch den Kopf. Wie verhalte ich mich noch mal im Falle eines Gewitters in der Natur richtig? Jetzt entpuppt sich diese wirklich flache ebene Gegend als Präsentierteller. Die den Radweg flankierenden Bäume sind natürlich auch kein Schutz. Unter Bäumen soll man sich bei Gewitter nicht aufhalten. Auf freiem Gelände aber auch nicht. Wenn es wirklich schlimm auf schlimm kommt, muß man sich glaube ich so klein wie möglich machen. Hinhocken und die Füße unten zusammen. Oh Mann. Hoffentlich kommt es nicht so weit. Aber so wie es aussieht, habe ich recht und ich bekomme nur etwas auffrischenden Wind ab. Das ist sogar recht angenehm nach der Hitze. Die Große schwarze Wand schrammt aber haarscharf an mir vorbei.

Grosser Graben

Grosser Graben

Dann komme ich an eine T-Kreuzung an einer Brücke über einen Wasserlauf. Verstehe ich nicht. Die Kreuzung dürfte hier gar nicht sein. Dann bemerke ich die Hinweisschilder. Nach Wolsier 2,5 km rechts lang und in die andere Richtung nach Parey auch 2,5 km. Ich bin auf gar keinen Fall da, wo ich sein müßte (wollte). Nach Wolsier ist Blödsinn. Ich fahr doch hier nicht im Kreis. Also nach Parey. Ich habe noch Hoffnung, dass der Weg vielleicht doch noch einen leichten Knick nach links macht. Aber ich werde enttäuscht. Auf einmal bin ich wieder an der Stelle, an der ich vorhin die Sachsen getroffen habe. Also doch im Kreis gefahren. Wenigstens sollte ich mich jetzt nicht mehr verfahren. Es geht jetzt nur noch knapp 7 km so ziemlich schnurgeradeaus nach Hohennauen. Die dunklen Wolken habe ich jetzt hinten links und hoffe, dass sie auch dort bleiben. In Hohennauen angekommen, erblicke ich auch gleich wieder 2 Bänke für eine kleine Zwischenrast. Diesmal keine Ameisen. Nur Starensch… Na jedenfalls finde ich noch ein kleines unbeflecktes Plätzchen und lasse mich nieder. Direkt vor mir befindet sich die Kirche. Als ich mal kurz aufblicke erkenne ich den Wegweiser von heute Mittag wieder. Hehe, schon wieder ein Kreis.

Hohennauener Kirche

Hohennauener Kirche

Der Rückweg nach Rathenow und danach nach Berlin verlief unspektakulär. Ich kam gerade zur rechten Zeit in Berlin an. Die Gewitterschauer waren gerade durch und die Sonne zeigte sich schon wieder.

Bogenseekette

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volle Distanz: 37.33 km
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Heute geht es in ein sehr interessantes Naturschutzgebiet direkt am Rande von Berlins Nordosten. In die „Rieselfeldlandschaft Hobrechtsfelde“ im Naturpark Barnim. Dazu gehören u.a. das NSG Karower Teiche, das NSG Bogenseekette mit dem Lietzengraben, der Hobrechtswald und das NSG Schönower Heide.

Auf dieses Gebiet aufmerksam geworden bin ich am „Tag der Stadtnatur“ vor ein paar Jahren. Dort wurde eine Führung durch die Karower Teiche angeboten, die mir bis dahin unbekannt waren. Sammelpunkt war in Karow die Pankebrücke direkt an der Südseite der Teiche. Schon beim Warten und Sammeln konnte ich das erste Highlight bestaunen. Eine Rohrweihe beim Jagen, und in unmittelbarer Nähe kreiste ein Bussard. Der Herr der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung – Referat Naturschutz führte uns dann durch die Teichlandschaft und war ein wahrer Wissensquell, was die Vogelwelt betrifft und gab sein Wissen auch bereitwillig preis. An der Rückseite der Teiche befand sich auf einer Wiese dann ein Tummelplatz für Neuntöter, die man schön beim Schmetterlinge jagen beobachten konnte. Sie hatten auch keine Scheu dann ganz ungeniert ihre Beute zum späteren Verzehr aufzuspießen. Ich wollte gar nicht mehr weg dort.

Ende April machte ich mich also auf den Weg. Ich kann sogar direkt von zu Hause losfahren. Also ab nach Pankow und beim S-Bahnhof Pankow-Heinersdorf auf den Panke-Radweg, der hier auch ein Teilstück des Radwegs Berlin-Usedom ist. Den gehts weiter bis zu den Karower Teichen, die direkt links neben dem Radweg liegen. An der rechten Seite begleitet die Panke den Radweg noch ein wenig. Ich aber biege links ab und folge dem Weg, der genau mitten durch die Teiche führt. Auf den Teichen ist es relativ ruhig. Die Überwinterungsgäste sind schon weg, und der Rest entweder noch nicht da oder schon mit Brüten beschäftigt. Also halte ich mich nicht lange auf und durchquere weiter die Teichlandschaft bis ich auf der anderen Seite rechts abbiege und mich somit hinter den Teichen befinde. Hier komme ich auch wieder an der Spielwiese der Neuntöter vorbei. Bloß von Neuntötern keine Spur. Ist wohl noch zu früh. Die Führung damals war im Juli. Auf einmal krachts mächtig im Gebälk und ein Reh donnert mit vollem Karacho quer über die Wiese. Der ganzen Länge nach von links nach rechts. So wars wenigstens nicht langweilig.

Ich umrunde jetzt quasi die Teiche und treffe auf der Nordseite auf einen im ersten Moment ganz friedlich wirkenden Gesellen. Doch als ich anhalte um ihn auf digitale Weise zu verewigen, dreht er sich in meine Richtung und stiert mich mit seinen großen Augen an. Als er dann auch noch anfängt zu zucken und ich die Lächerlichkeit der Zaundrähe bemerke, wirds mir doch ein bißchen flau im Magen und ich verabschiede mich ganz höflich. Bis ich wieder den Radweg erreiche kann ich noch die Landschaft bewundern, die von Bruchwald über Heidelandschaft ziemlich abwechslungsreich ist.

Nachdem ich die A10 unterquert habe geht es links ab auf den „Naturpark-Meridian“ Richtung Bogenseekette. Diese besteht aus ein paar Karpfenteichen, die eigentlich alte Torfstiche sind, und dem Bogensee. Nachdem man die Hobrechtsfelder Chaussee überquert hat, passiert man eine Tür. Dabei muß man darauf achten, das die Tür nach dem Passieren wieder geschlossen wird. Mutet im ersten Moment etwas seltsam an, aber ein Flyer, der in einem Kasten neben der Tür zur Mitnahme angeboten wird gibt schnell Auskunft. Man befindet sich jetzt nämlich auf frei begehbaren Weideflächen. Diese gehören zum Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben „Rieselfeldlandschaft Hobrechtsfelde“. Mit etwas Glück kann man hier einige robuste Rinderarten, wie „Englische Parkrinder, Schottische Hochlandrinder sowie Uckermärker Rinder und Konik-Pferde begegnen.

Auch ich hatte das Glück einer Rinderherde zu begegnen. Sie stand mitten auf meinem Weg. Die im Fleyer beschriebenen Regeln sind hier eindeutig. Herden nicht durchqueren und einen Mindestabstand von 25m einhalten. Außerdem die Tiere nicht beunruhigen. Doch wer will das schon? Ich nicht. Denn ich bemerke, das diese Viecher vom selben Stamme sind wie der unheimliche Kollege vorhin. Also warte ich geduldig ab. Und ja, sie ziehen langsam ins lichte Gehöltz ab und geben damit den Weg frei. Von diesem Erlebnis muß ich mich glatt bei einem kleinen Päusgen erholen. Hierfür bietet sich ein ausgebauter Rastplatz an. Aber es ist wie immer.  Er ist sehr arg ramponiert und vor allem völlig vermüllt. Der kleine Platz auf der rechten Seite ist gerade so noch erträglich.

Ja, ich gebe es zu. Ich schummle jetzt. Bevor Ihr an den Exif-Daten der Fotos merkt, dass hier was nicht stimmt, gestehe ich lieber gleich, dass  ich kurz nach der Rast wieder Richtung Radweg abgebogen bin, und dann über Schloß Niederschönhausen wieder nach hause geradelt bin. Oh Mann, war ich fertig. Noch keine Kondition so früh im Jahr. Also knapp einen Monat später bin ich wieder auf den selben Pfaden los. Der Anfang war relativ ereignislos. Und da die Kondition jetzt schon besser war, gings diesmal weiter Richtung Norden. Ich fahre einfach mit dem Bericht an dieser Stelle fort.

Bald darauf verlasse ich den Naturpark-Meridian. Bei einer Rechts-Links-Kombination begleitet mich für einen Moment einer der zahllosen Entwässerungsgräben der ehemaligen Rieselfelder, bevor es dann auf dem Gorinseeweg weiter geht. Ich wundere mich schon die ganze Zeit, dass es immer voller wird. Meister Adebar scheint das aber nicht zu stören. Ich lasse Gut Hobrechtsfelde rechts liegen und fahre weiter zum Gorinsee. Und da fällt es mir ein. Es ist Pfingstsonntag und schönes Wetter. Kein Wunder, dass man jetzt aufpassen muß, dass man keine Kiddies oder Hunde umfährt. Als dann auch noch von weitem das Geplärre der Lautsprecher des Gasthauses am Gorinsee zu hören ist, mache ich, dass ich Land gewinne. Mist, ein Bierchen hätte schon gezischt.

Kaum am Gorinsee vorbei, kreuzt ein großer Weg meinen mittlerweile wieder in Naturpark Barnim Meridian umbenannten Weg. Ich biege nach rechts ab und erreiche kurz darauf das Naturschutzgebiet Schönower Heide. Dieses Gebiet ist eingezäunt und darf nicht betreten werden. Dort drinnen läuft Rotwild rum. Ein aufgeschütteter Erdhügel dient als Aussichtsplattform. Von dort hat man einen schönen Blick auf die Heide, die hier einen besonderen Schutz geniesst und weitgehend in Ruhe gelassen wird. Auf dem Rundweg um die Heide sehe ich doch noch einen Neuntöter. Er hat mich noch nicht bemerkt, so dass ich schnell noch einen Schnappschuss anbringen kann.

Nach der Hälfte der Runde zweigt hier der kleine Rundweg ab, der mit einem Aussichtsturm winkt. Zum Glück sind hier nur sehr wenige Leute unterwegs. Aus dem Augenwinkel erhasche ich noch einen kurzen Blick auf einen Habicht, ehe dieser wieder mit einem kunstvollen Manöver im Wald verschwindet. Der Aussichtsturm ist nicht belegt und ich habe meine Ruhe. Bei meinem Rundblick sehe ich in einiger Entfernung einen Hirsch mit schon sehr stattlichem Geweih. Direkt neben dem Turm ist ein Tümpel, auf dem sich ein Paar Brandgänse tummelt. Für einen kleinen Schluck aus meiner Pulle (Apfelschorle) drehe ich mich kurz um. Als ich meinen Blick wieder auf den Tümpel richte, traue ich meinen Augen kaum. Da steht jetzt eine Rotwildkuh im Wasser und kühlt Ihren Arsch. Das Trinken hat nur Sekunden gedauert und ich habe nichts Platschen gehört. Die Brandgänse sind auf jeden Fall not amused und keifen den ungebetenen Badegast ganz schön an. Der läßt sich jedoch nicht stören.

Ich jedoch mache mich langsam auf den Heimweg. Richtung Buch komme ich diesmal auf der anderen Seite am Gut Hobrechtsfelde vorbei, und lasse es wieder rechts liegen. Keinen Bock auf den Ausflugstrubel. Ab Buch geht es diesmal mit der S-Bahn heim.

Rund um den Hohennauener – Ferchesarer See

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Hier ein paar Eindrücke von meiner Runde um den Hohennauener – und Ferchesarer See.

Ca. 47 km bei sonnigem aber teilweise sehr windigem Wetter (böiger Ostwind).

Route: Rathenow – Semlin – Ferchesar – Lochow – Witzke – Wassersuppe – Hohennauen – Semlin – Rathenow

volle Distanz: 46.34 km
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https://www.komoot.de/tour/9491583/embed

Montag, 09.05.2016

Oderbruchbahnradweg

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It’s not the rumbling and the roaring „Wabash Cannonball“, it’s not the Train they call the „City of New Orleans“ and it’s not the „California Zephyr“ – The Union Pacific Queen. It’s just the f—ing ……“RB60″ am Rande des Oderbruch im verträumten märkischen Oderland.

Aber wer weiss, vielleicht wirst auch Du eines Tages besungen.

Ich stehe auf dem oberen Bahnsteig des Super Dooper Umsteigebahnhofs … Werbig. Weiter gehts nach Wriezen. Dort werde ich auf dem nördlichen Teil des „Oderbruchbahnradwegs“ bis Golzow unterwegs sein. Beim Warten (fast ne Stunde) ist es jedoch noch etwas frisch, so dass ich mich frage, was mache ich eigentlich hier? Was treibt mich am Ostersamstag um 05:00 Uhr aus den Federn, damit ich um 07:37 Uhr den „RB26“ in Lichtenberg Richtung Oder kriege? Achja, die Wettervorhersage. Sonnenschein und Temperaturen so um 15°.

Punkt 10:00 Uhr erreicht der Zug der NEB superpünktlich Wriezen. Sonne scheint, das Cockpit is fully loaded… also kann es los gehen.Am Ortsausgang überquert man erstmal einen der vielen Altarme der „Alten Oder“, bevor es dann links abgeht auf den „Oderbruchbahnradweg“ der jetzt hier beginnt, bzw. endet. Wenn man den Beschreibungen glaubt, fahre ich also am falschen Ende los. Stört mich aber nicht.

Das erste Stück läuft auf einer alten Bahntrasse. hier gehts schnurgerade hoch bis nach Bienenwerder an der Oder. So früh im Jahr sicherlich etwas langweilig. Aber nach 2,5 km zweigt rechts der eigentliche Oderbruchbahnradweg ab. Es geht teilweise auf kleinen Landstrassen durch die Ruhe des Oderbruchs; durch kleine Dörfer mit schön restaurierten Fachwerkhäusern. Nur DPD, Hermes und die Post brausen durch die Gegend.

Der Radweg ist gut ausgeschildert, sodass man den Abzweigungen ohne großes Kartenstudium folgen kann. Überall findet man die für diese Landschaftsform so typischen Kopfweiden. Der blaue Himmel lässt mich unweigerlich Tom Pettys „Into the great wide open, under the Skies are blue“ summen. Irgendwann trifft man dann bei Ortwig-Graben auf die Oder mit dem „Oder-Neisse-Radweg“. Hier gibts jetzt endlich auch mal eine Bank für eine kleine Pause. Mit herrlichem Blick über einen Totarm der Oder nach Polen.

Ab hier laufen die beiden Radwege bis Sydowswiese zusammen. Vorbei an Groß Neuendorf mit seinem „berühmten“ Turmcafe. Immer wieder gibt es Ausblicke über die vom Deich begrenzten Überflutungsflächen, die, solange es kein Hochwasser gibt, landwirtschaftlich genutzt werden. Bei Sydowswiese biegt der OBBRW wieder ab ins Innere des Oderbruchs. Und da ist er. Der Frühling. Kurz vor Golzow endlich ein paar blühende Sträucher.

Um 16:16 Uhr gehts mit dem „RB26“ wieder zurück nach Berlin. Bis auf die Tatsache, dass mein Falk Ibex bei der Trackaufzeichnung irgendwann seinen Dienst eingestellt hat (Der Akku war voll und ich habe das gerade eben erst beim betrachten des GPX-Tracks gesehen), war das ein schöner Beginn der Saison. Ich freue mich schon auf viele weitere Touren.

 

Samstag, 25.03.2016